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Bindungstypen

Eifersucht in Beziehungen: Ursachen, Formen, Umgang

Eifersucht ist ein schmerzhaftes Gefühl, das entsteht, wenn jemand befürchtet, die Zuneigung oder Aufmerksamkeit eines geliebten Menschen an eine andere Person zu verlieren. Sie kennt fast jeder. Problematisch wird sie, wenn sie den Alltag bestimmt oder in Kontrolle umschlägt. Hinter Eifersucht stehen oft Verlustangst, Unsicherheit und frühere Erfahrungen.

6 Min. Lesezeit · aktualisiert am · Redaktion Bindungstypen

Was Eifersucht ist

Eifersucht ist ein schmerzhaftes Gefühl, das entsteht, wenn jemand befürchtet, die Zuneigung, Aufmerksamkeit oder Anerkennung eines geliebten Menschen an eine andere Person zu verlieren. Sie tritt in Partnerschaften auf, aber auch in Familien und Freundschaften, etwa zwischen Geschwistern.[1]

Typisch ist ein Dreieck: die eifersüchtige Person, die geliebte Person und eine dritte Person, die als Bedrohung erlebt wird. Diese dritte Person muss nicht real sein. Manchmal reicht schon die Vorstellung, dass es sie geben könnte.

Eifersucht oder Neid?

Die beiden Gefühle werden oft verwechselt. Der Unterschied:[1]

EifersuchtNeid
Worum geht es?Etwas zu verlieren, das man hat (eine Beziehung, Zuneigung)Etwas zu wollen, das andere haben
Wie viele Personen?Meist dreiMeist zwei
Beispiel„Ich habe Angst, dass sie sich in ihren Kollegen verliebt.“„Ich hätte auch gern so eine glückliche Beziehung wie meine Freundin.“

Beiden Gefühlen gemeinsam ist oft ein geschwächtes Selbstwertgefühl im Hintergrund.

Drei Seiten der Eifersucht

Eifersucht ist nicht nur ein Gefühl. Die Forschung unterscheidet drei Seiten, die unterschiedlich stark ausgeprägt sein können:[7]

  • Eifersüchtige Gedanken: Misstrauen und Grübeln, etwa „Was, wenn sie mehr für ihn empfindet?“, auch ohne konkreten Anlass.
  • Eifersüchtige Gefühle: Der Schmerz oder die Wut, wenn tatsächlich etwas passiert, zum Beispiel wenn die Partnerperson heftig mit jemand anderem flirtet.
  • Eifersüchtiges Verhalten: Nachspionieren, Handy durchsuchen, unangekündigt auftauchen, Kontakte verbieten.

Interessant ist: In der ursprünglichen Studie hing die gefühlsmäßige Eifersucht sogar positiv mit Liebe zusammen, die gedankliche Eifersucht dagegen negativ.[7] Eine kurze, heftige Reaktion auf einen echten Anlass ist also etwas anderes als ständiges Misstrauen. Vor allem das Grübeln und das kontrollierende Verhalten belasten Beziehungen.

Woher Eifersucht kommt

Für Eifersucht gibt es mehrere Erklärungsansätze, die sich ergänzen.

Evolutionspsychologisch

Evolutionspsychologen wie David Buss sehen Eifersucht als Gefühl, das sich im Laufe der Evolution entwickelt hat, weil es half, wichtige Beziehungen zu schützen.[2] Aus dieser Sicht ist ein gewisses Maß an Eifersucht ganz normal und weit verbreitet.

Psychologisch

Andere Ansätze betonen persönliche Faktoren: eigene Unsicherheit, frühere Erfahrungen mit Untreue oder Verlust, ein geringes Selbstwertgefühl und die Angst, nicht zu genügen.[1] Wer schon einmal betrogen wurde, reagiert oft empfindlicher auf mögliche Anzeichen.

Bindungstheoretisch

Aus Sicht der Bindungstheorie hängt Eifersucht eng mit Bindungsangst zusammen, also der Sorge, verlassen zu werden. Menschen mit hoher Bindungsangst erleben häufiger und stärker Eifersucht, grübeln mehr darüber und suchen eher nach Bestätigung.[6] Menschen mit hoher Bindungsvermeidung zeigen Eifersucht dagegen seltener offen, auch wenn sie sie empfinden. Mehr dazu beim ängstlichen Bindungstyp.

Was die Forschung über Unterschiede sagt

Eine viel zitierte Studie von David Buss und Kollegen fand 1992, dass Männer in Befragungen häufiger angaben, sexuelle Untreue schlimmer zu finden, und Frauen häufiger emotionale Untreue.[2] Diese Befunde wurden oft als Beleg für angeborene Unterschiede zwischen Männern und Frauen verstanden.

Die Forschung ist aber deutlich vielschichtiger:

  • Eine Übersichtsarbeit fand, dass die Unterschiede stark von der Methode abhängen. Bei Aufgaben mit erzwungener Wahl zwischen zwei Szenarien zeigen sie sich, bei anderen Messmethoden kaum oder gar nicht.[3]
  • Eine Studie aus Sicht der Bindungstheorie zeigte, dass die Unterschiede eher mit dem Bindungsstil zusammenhängen: Menschen mit vermeidendem Stil fanden sexuelle Untreue eher schlimmer, sicher gebundene eher emotionale Untreue, unabhängig vom Geschlecht.[4]

Was sich in vielen Studien zeigt: In der Stärke der Eifersucht unterscheiden sich Männer und Frauen kaum.[1]

Eifersucht und soziale Medien

Soziale Medien bieten viele neue Anlässe für Eifersucht: ein Like, ein Kommentar, ein Foto mit einer unbekannten Person. Eine Studie fand, dass mehr Zeit auf Facebook mit mehr Eifersucht in Beziehungen einherging. Die Forschenden vermuteten einen Kreislauf: Wer eifersüchtig ist, schaut mehr nach, findet mehr mehrdeutige Informationen und wird dadurch noch eifersüchtiger.[5]

Wie unterschiedlich dieselbe Nachricht gedeutet werden kann, zeigt auch das Beispiel „Zwei Menschen, eine Nachricht“ in den Alltagssituationen.

Eine Studie mit Menschen in Beziehungen fand, dass Bindungsangst mit mehr Eifersucht wegen Facebook und mit häufigerem Kontrollieren des Partnerprofils zusammenhing, Bindungsvermeidung dagegen mit weniger. In einem Tagebuchteil der Studie zeigte sich: An Tagen mit mehr Eifersucht wurde auch mehr kontrolliert.[8] Kontrolle beruhigt kurzfristig, hält die Sorge aber am Leben, weil es online immer neue Hinweise zu deuten gibt.

Wann Eifersucht zum Problem wird

Ein bisschen Eifersucht ist normal. Schwierig wird es, wenn sie

  • ständig und ohne konkreten Anlass auftritt,
  • den Alltag und die Gedanken beherrscht,
  • zu Kontrolle führt: Handy durchsuchen, Standort überwachen, Kontakte verbieten,
  • in Vorwürfe, Drohungen oder Gewalt umschlägt.

Kontrollierendes Verhalten ist keine Liebe, sondern verletzt die Grenzen der anderen Person. Wer kontrolliert oder bedroht wird, findet Unterstützung beim Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen (116 016) oder beim Hilfetelefon Gewalt an Männern (0800 123 99 00). Mehr unter Hilfe und Krisenkontakte.

Was im Umgang mit Eifersucht hilft

Wenn du selbst eifersüchtig bist:

  • Das Gefühl ernst nehmen, ohne ihm blind zu folgen. Eifersucht ist ein Signal, aber keine verlässliche Information über das, was tatsächlich passiert.
  • Das Bedürfnis dahinter suchen. Oft geht es um Sicherheit, Aufmerksamkeit oder Wertschätzung. Das lässt sich direkter ansprechen als der Verdacht.
  • Fragen statt beschuldigen. „Ich fühle mich unsicher, wenn du so viel mit ihr schreibst. Kannst du mir erzählen, worum es geht?“ wirkt anders als „Was hast du mit der?“
  • Nicht nachforschen. Kontrolle verstärkt die Eifersucht meist, statt sie zu beruhigen.
  • Am Selbstwert arbeiten. Wer sich selbst wertschätzt, fühlt sich weniger schnell bedroht.

Wenn deine Partnerperson eifersüchtig ist:

  • Verständnis zeigen, ohne die eigenen Grenzen aufzugeben.
  • Transparenz anbieten, wo sie dir nicht schadet, aber keine ständige Überwachung zulassen.
  • Gemeinsam überlegen, was Sicherheit gibt, zum Beispiel feste Absprachen oder kleine Zeichen der Verbundenheit.

Wenn Eifersucht wiederholt zu Streit führt, hilft ein Blick auf die Muster dahinter. Mehr dazu unter Streit in Beziehungen.

Wenn die Partnerperson eifersüchtig ist

Auch für die andere Seite ist Eifersucht belastend. Einige Anregungen:

  • Das Gefühl ernst nehmen, ohne Schuld zu übernehmen: „Ich sehe, dass dich das verunsichert“ ist etwas anderes als „Du hast recht, ich darf nicht mehr mit ihr reden.“
  • Transparenz anbieten, wo es sich gut anfühlt: Von sich aus erzählen, wen man trifft, kann Vertrauen stärken. Das ist aber ein freiwilliges Angebot, keine Pflicht.
  • Klare Grenzen setzen: Handy-Kontrolle, Kontaktverbote oder Drohungen sind nicht in Ordnung, auch nicht aus Liebe.
  • Gemeinsam Unterstützung suchen: Wenn Eifersucht die Beziehung dauerhaft belastet, kann eine Paarberatung helfen.

Ein Gespräch über Eifersucht vorbereiten

Ein Gespräch gelingt oft besser, wenn es nicht im Moment der größten Aufregung stattfindet. Vorher kann man sich fragen:

  1. Was genau hat mich verunsichert? Ein konkreter Moment, nicht „immer“.
  2. Was habe ich befürchtet? Zum Beispiel, nicht mehr wichtig zu sein.
  3. Was weiß ich sicher, was vermute ich? Diese Frage nimmt oft schon viel Druck heraus.
  4. Was wünsche ich mir? Zum Beispiel mehr Zeit zu zweit oder ein Gespräch darüber, wie wir mit Ex-Partnern umgehen.

Wer mit einem klaren Wunsch ins Gespräch geht statt mit einem Verdacht, wird meist besser verstanden.

Häufige Fragen

Ist Eifersucht ein Zeichen von Liebe?

Eifersucht zeigt, dass einem eine Beziehung wichtig ist. Sie ist aber kein Maßstab dafür, wie sehr man liebt. Starke, ständige Eifersucht hat oft mehr mit eigener Unsicherheit zu tun als mit der Liebe zur anderen Person.

Wann ist Eifersucht krankhaft?

Wenn sie ohne realen Anlass den Alltag beherrscht, zu ständiger Kontrolle führt oder in Drohungen und Gewalt umschlägt, ist Unterstützung dringend sinnvoll. In sehr seltenen Fällen kann wahnhafte Eifersucht Teil einer psychischen Erkrankung sein und gehört dann in fachärztliche Behandlung.

Ist Kontrolle aus Eifersucht in Ordnung?

Nein. Heimlich das Handy durchsuchen, ständig den Standort abfragen oder Kontakte verbieten verletzt die Privatsphäre und zerstört Vertrauen. Kontrollierendes Verhalten kann auch eine Form von Gewalt in Beziehungen sein. Wer davon betroffen ist, findet Unterstützung bei den Hilfetelefonen.

Wie spreche ich meine Eifersucht an, ohne Vorwürfe zu machen?

Am besten in einem ruhigen Moment und in der Ich-Form, zum Beispiel: „Als du gestern so lange mit ihr geredet hast, habe ich mich unsicher gefühlt. Ich weiß, dass das viel mit mir zu tun hat, aber es hilft mir, darüber zu sprechen.“ So wird das Gefühl geteilt, ohne die andere Person anzuklagen.

Passt dazu

  1. Ängstlicher Bindungstyp

    Große Sehnsucht nach Nähe, verbunden mit der Sorge, nicht genug geliebt oder verlassen zu werden.

  2. Typische Alltagssituationen

    Fünf Situationen aus dem Beziehungsalltag, jeweils mit mehreren möglichen Erklärungen.

  3. Liebeskummer

    Warum Liebeskummer so wehtut, was im Gehirn passiert und was beim Verarbeiten hilft.

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Quellen und weiterführende Literatur

  1. Wikipedia: Eifersucht. Zur Quelle
  2. Buss, D. M., Larsen, R. J., Westen, D. & Semmelroth, J. (1992). Sex differences in jealousy: Evolution, physiology, and psychology. Psychological Science, 3(4), 251–255.
  3. Harris, C. R. (2003). A review of sex differences in sexual jealousy, including self-report data, psychophysiological responses, interpersonal violence, and morbid jealousy. Personality and Social Psychology Review, 7(2), 102–128.
  4. Levy, K. N. & Kelly, K. M. (2010). Sex differences in jealousy: A contribution from attachment theory. Psychological Science, 21(2), 168–173.
  5. Muise, A., Christofides, E. & Desmarais, S. (2009). More information than you ever wanted: Does Facebook bring out the green-eyed monster of jealousy? CyberPsychology & Behavior, 12(4), 441–444.
  6. Mikulincer, M. & Shaver, P. R. (2016). Attachment in Adulthood: Structure, Dynamics, and Change (2. Aufl.). New York: Guilford Press.
  7. Pfeiffer, S. M. & Wong, P. T. P. (1989). Multidimensional jealousy. Journal of Social and Personal Relationships, 6(2), 181–196.
  8. Marshall, T. C., Bejanyan, K., Di Castro, G. & Lee, R. A. (2013). Attachment styles as predictors of Facebook-related jealousy and surveillance in romantic relationships. Personal Relationships, 20(1), 1–22.